Genauigkeit und Messtoleranzen

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Messunschärfen können selbst bei größter Genauigkeit und bester Sorgfalt nicht vermieden werden.  

Damit die aus den Messungen abgeleiteten Größen dennoch für einen bestimmten Zweck verwendet werden können, müssen diese Messunschärfen durch Anwendung entsprechend feiner Messverfahren innerhalb vorgegebener Grenzen gehalten werden. Nun ist aber von dem verlangten Genauigkeitsgrad der Arbeits- und damit Kostenaufwand abhängig, wodurch einer Verfeinerung der Messungen immer wirtschaftliche Grenzen gesetzt sind. Daher sind für eine bestimmte Messung diejenigen Messinstrumente und Beobachtungsverfahren auszuwählen, die mit möglichst geringem Arbeits- und Kostenaufwand jenen Genauigkeitsgrad erreichen, der für die Zwecke der Arbeit hinreichend und erforderlich ist.  

Bei ingenieurgeodätischen Messungen im Hoch- oder Tiefbau wird in aller Regel durch die Konstruktionsmerkmale des Projektes (z.B. Tunnel- oder Brückenbau) der Genauigkeitsrahmen vorgegeben, aufgrund dessen einzusetzendes Instrumentarium, Messverfahren und Messanordnung vom Geodäten festzulegen sind.  

Um für alle Arten der Grenzvermessung solche messtechnische Standards zu normieren, hat der Gesetzgeber im Vermessungsgesetz eine Verordnungsermächtigung vorgesehen, nähere Vorschriften für die technische Durchführung ( insbesondere auch Genauigkeitsregeln ) „nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft und Technik sowie den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf Bodenwert und technische Gegebenheiten“ auf dem Verordnungsweg ( Vermessungsverordnung ) zu erlassen.  

Die derzeit gültige Vermessungsverordnung trat mit Mai 2012 in Kraft und normiert Genauigkeitswerte. die bei der Bestimmung von Standpunkten und Grenzpunkten einzuhalten sind. Dabei nimmt sie auf historische Gegebenheiten der Festpunktbestimmung (frühere Messungen ohne elektronische Seitenmessung oder GPS–Einsatz) Rücksicht und definiert aufbauend auf die durchschnittliche Genauigkeit der amtlichen Festpunkte (+/- 4 cm) eine Toleranz für Grenzpunkte (+/- 5 cm), die nicht überschritten werden darf.

Diese Genauigkeitsmaße mögen vordergründig eher hoch angesetzt erscheinen, sie stellen jedoch Maximalwerte dar und setzen sich aus einer Reihe, jeweils geringer Unsicherheitsfaktoren zusammen. Bedenkt man etwa, dass bei Zerstörung oder Verlust von Festpunkten in einem größeren Gebiet (mehrere km²) diese neu von weiter entfernt liegenden unveränderten Festpunkten abgeleitet und bestimmt werden müssen, erscheinen die Normierungen durchaus plausibel und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben („...Stand der Wissenschaft und Technik und wirtschaftlichen Erfordernissen ...“).

Auch darf die meist unscharfe Punktidentifizierung bei Grenzpunkten – die im Toleranzmaß beinhaltet ist - nicht übersehen werden. So weist z.B. eine äußerlich scharf wirkende verputzte Mauerkante bereits Abweichungen bis zu 2 cm innerhalb eines Höhenunterschiedes von 1 m auf. Entsprechend größer ( 2 – 5 cm) ist der Interpretationsspielraum bei der Punktidentifikation von altem Mauerwerk oder abgebröckelten Zaunfundamenten.: Je nachdem in welcher Höhe eine solche Mauerkante erfasst wird, ergeben sich somit unterschiedliche Koordinationswerte für denselben Grenzpunkt.

Hinweis

Anfang 2015 soll das europäische GPS-System Galileio in Betrieb genommen werden und künftig Vermessungen unterstützen.


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